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Korea für Kenner
ELLE 04/2002
Flirten hat in Korea viel mit Mathematik zu tun. Mit nur wenigen
Fragen steckt Joshua das Terrain ab. "Was für ein Tierzeichen bist
Du", ist die erste Frage, als er Hi-soo vorgestellt wird. "Hund",
antwortet diese. Joshua Choi rattert die zwölf Zeichen des chinesischen
Horoskops im Kopf herunter und gleicht sie mit den Jahreszahlen
ab, in denen sie auftraten: 1994, 1982, 1970... Hi-soo ist also
32 Jahre alt. "Bist Du verheiratet?", schießt der 27-Jährige hinterher.
"Ich bin Single", antwortet sie. Das kann in Korea bedeuten, dass
sie keinen Freund hat, das kann aber auch heißen, dass sie einen
Freund hat. Auf alle Fälle ist sie unverheiratet. Aber mit 32 Jahren
ist Hi-soo für Joshua ohnehin uninteressant.
Eine Frau über 30 ist für einen Twen viel zu alt. Die Partnerwahl
ist in Südkorea noch immer von Tradition geregelt. Man lernt sich
nicht an der Bar kennen, sondern über Kollegen, die Familie oder
Partnervermittlungsagenturen. Agenturen arrangieren ein Drittel
aller Ehen. "Wer mit 30 nicht verheiratet ist, um den machen sich
die Eltern große Sorgen", sagt Hi-soo, die noch in diesem Jahr Hochzeit
feiern wird. Richtig glücklich wirkt sie nicht, als sie hinzufügt:
"Ich mag meinen Freund. Er wird sicher einmal ein guter Vater sein."
Er gehört zur neuen Generation koreanischer Männer, die durchaus
im Haushalt mithelfen und auch schon mal Einkaufen gehen. Verlässlichkeit
zählt, obwohl von Romantik und dem großen Glück auch in Korea viele
träumen und ihre Phantasien mit gefälligen Popsongs nähren, in denen
es um gebrochene Herzen und das lodernde Feuer der Liebe geht. Hi-soo
findet allerdings, dass die Realität anders aussieht: "Ein Sprichwort
sagt, nach zwei Jahren Ehe vergeht die süße Liebe. Dann ist die
Zeit reif für Kinder."...
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