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Schottland: Countrystyle und Szenestädte
ELLE 08/2002

Nichts als Schafe und Kerle in karierten Röcken? Von wegen! Schottland ist das neue Trendziel der britischen Insel.

Es kann regnen, es kann aber auch zwei Wochen am Stück die Sonne runter brennen. So viel zum stärksten Klischee, das Schottland zu bieten hat - das Wetter. Das zweite Klischee dreht sich ums Essen. Da gab es in den vergangenen Jahren entscheidende Fortschritte. Lange schienen die Schotten mit ihren Ressourcen aus hervorragendem Fisch, Milch und Fleisch nicht viel anfangen zu können. Fish & Chips mussten als Delikatesse reichen. Es ist auch nicht nur eine unglaublich klingende Geschichte, dass es in Schottland sogar frittierte Mars-Schokoriegel zu kaufen gab. Bei so einem Diätplan, runtergespült mit jeder Menge Bier und einheimischem Whisky, ist es nicht überraschend, dass Glasgow weltweit lange die Herzinfarktquoten anführte. Mittlerweile kommen selbst im tiefsten Hinterland frischer Lachs oder würziger Käse auf den Tisch. Dort hat man von den Metropolen Edinburgh und Glasgow gelernt, wo sich fine Dine längst etabliert hat.

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Korea für Kenner
ELLE 04/2002

Flirten hat in Korea viel mit Mathematik zu tun. Mit nur wenigen Fragen steckt Joshua das Terrain ab. "Was für ein Tierzeichen bist Du", ist die erste Frage, als er Hi-soo vorgestellt wird. "Hund", antwortet diese. Joshua Choi rattert die zwölf Zeichen des chinesischen Horoskops im Kopf herunter und gleicht sie mit den Jahreszahlen ab, in denen sie auftraten: 1994, 1982, 1970... Hi-soo ist also 32 Jahre alt. "Bist Du verheiratet?", schießt der 27-Jährige hinterher. "Ich bin Single", antwortet sie. Das kann in Korea bedeuten, dass sie keinen Freund hat, das kann aber auch heißen, dass sie einen Freund hat. Auf alle Fälle ist sie unverheiratet. Aber mit 32 Jahren ist Hi-soo für Joshua ohnehin uninteressant.

Eine Frau über 30 ist für einen Twen viel zu alt. Die Partnerwahl ist in Südkorea noch immer von Tradition geregelt. Man lernt sich nicht an der Bar kennen, sondern über Kollegen, die Familie oder Partnervermittlungsagenturen. Agenturen arrangieren ein Drittel aller Ehen. "Wer mit 30 nicht verheiratet ist, um den machen sich die Eltern große Sorgen", sagt Hi-soo, die noch in diesem Jahr Hochzeit feiern wird. Richtig glücklich wirkt sie nicht, als sie hinzufügt: "Ich mag meinen Freund. Er wird sicher einmal ein guter Vater sein." Er gehört zur neuen Generation koreanischer Männer, die durchaus im Haushalt mithelfen und auch schon mal Einkaufen gehen. Verlässlichkeit zählt, obwohl von Romantik und dem großen Glück auch in Korea viele träumen und ihre Phantasien mit gefälligen Popsongs nähren, in denen es um gebrochene Herzen und das lodernde Feuer der Liebe geht. Hi-soo findet allerdings, dass die Realität anders aussieht: "Ein Sprichwort sagt, nach zwei Jahren Ehe vergeht die süße Liebe. Dann ist die Zeit reif für Kinder."...

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Neuseeland: Die Insel der Individualisten
ELLE 02/2002

Die Straße schlängelt sich in engen Serpentinen den Berg hinauf, der immer karger bewachsen und mit einem Mal in eine dichte Wolke gehüllt ist. Minutenlang führt die enge Straße durch graue Feuchtigkeit. Als die Wolke endlich der Frühlingssonne Platz macht, wird der Blick auf ein Tal mit weidenden Schafen, Kühen und Rehen frei. Das Grün ist so leuchtend, als wäre es eigens im Malkasten angemischt worden. Bäche plätschern, der Wind rauscht durch die Wälder, kein Auto ist zu hören.

Der Landstrich trägt einen verführerischen Namen: Golden Bay. Er verspricht schimmernde Buchten, goldene Strände und paradiesische Zustände. Um Golden Bay gibt es jede Menge Gerüchte. "Dort leben die kreativsten Menschen Neuseelands", sagen die einen. Die anderen sprechen von Eigenbrötlern, die unter sich bleiben, Drogen anpflanzen, Tequilla brennen und mit der Realität nichts zu tun haben wollen. Hier wohnt Claire. Sie geht nicht mehr zur Schule, denn sie will Künstlerin werden. Das hübsche, zarte Mädchen lebt mit ihren Eltern in einem von Laubbäumen und Rhododendren umwachsenen Holzhaus am Waldrand von Takaka. Das klingt ein wenig wie Takatuka Land und das Haus erinnert an die Villa Kunterbunt. Doch beides liegt in Neuseeland, wo sich überraschend viele Menschen Raum und Zeit für ihre Träume nehmen.

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Shanghai: Zurück in die Zukunft
ELLE 07/2001

Schanghai ist für alle neu. Selbst wenn es nicht der erste Besuch in der 14-Millionen-Metropole ist. Der Wiedererkennungswert geht gegen Null, denn in der vergangenen Dekade ging es hier nur ums Bauen. Wer denkt, der Potsdamer Platz in Berlin sei eine Großbaustelle gewesen, kann darüber in Schanghai nur lächeln. Vor fünf Jahren stand hier ein Viertel aller Baukräne dieser Welt. So heißt es auf die Frage nach dem häufigsten Tier in der Stadt auch nur 'der Kran'. Bereits die Ankunft im neuen Flughafen Pudong, einer leicht anmutenden französischen Glas- und Stahlkonstruktion, ist der Beginn der 'Shanghai Surprise'. Statt stundenlanger Warteschlangen an den überforderten Grenzkontrollen im alten Hongqiao Flughafen verläuft alles rasch und reibungslos. Hier ist Schanghais Zukunft als internationales Zentrum im Probelauf.

Auf der Fahrt in die City (eine Straßenkarte in Englisch und Chinesisch ist wichtigstes Reiseutensil) tauchen durch den Dunst Hochhäuser auf, die wie Pilze aus dem Boden sprießen. Wer Schanghai vor der großen Bauoffensive besucht hat, mag an seinem Erinnerungsvermögen zweifeln. Wo dreistöckige Mietshäuser standen, manifestiert sich jetzt der ?Je höher, desto besser"-Gedanke. In Schanghai wird ausschließlich geklotzt. Die doppelstöckige Ringautobahn, die in die Zukunftsvision hinein führt, wurde in nur 11 Monaten hochgezogen. Dass eine Mehrzahl der funkelnden Bürohäuser leer steht, scheint niemanden zu kümmern. Es wird weitergebaut - am Traum vom Handelszentrum des schließlich noch jungen 21. Jahrhunderts. Vergesst Hong Kong, Schanghai kommt!...

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